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Sowjetischer Militärbericht

über die Kriegsereignisse um Heiligenbeil im März 1945

Originaltext aus dem russischen Internet übersetzt von H. Herrmann

zusammengestellt von D. Mattern mit Unterstützung der Mitglieder der

Historisch-geografischen Gesellschaft des Stadtmuseums von Mamonowo“

Der 6-seitige Militärbericht wurde mit dem handschriftlichen Eingangsvermerk Nr. 01180 versehen und beginnt mit einem „Geheim“ - Vermerk Ex. Nr. 2

An den Stabschef des 44. Schützenkorps

Der Kampf der 62. Borissower Rotbannerorden Kutusow - Schützendivision bei der Eroberung der Stadt Heiligenbeil, - dem letzten Verteidigungsstützpunkt der Deutschen an der Küste des Frischen Haffs südwestlich von Königsberg vom 20. – 25. März 1945“.

Diesem Schreiben war die Karte 1:50.000 mit der Nummerierung der Planquadrate entsprechend der Stadtkarte 1:10.000 beigefügt.

Ununterbrochen im Kampf stehend, bei der Einschließung und Liquidierung der ostpreußischen Gruppierung des Gegners, besetzte mit Beginn des 19. März 1945 die 62. Schützendivision den südwestlichen Waldrand 1,5 km südöstlich von Thomsdorf und bezog zeitweilig Stellung auf einer nicht benannten Höhe von 300 m, westlich dieses Waldrandes, 4 km vor Heiligenbeil.

Die Stadt Heiligenbeil liegt äußerst günstig aus der Sicht der Verteidigung bezüglich eines Angriffs von Süden.

Die südlichen Zugänge zur Stadt bestehen aus offenem, ebenen Gelände, das leicht mit Maschinengewehren und Waffen des direkten Richtens belegt werden kann.

Von Süden ist die Stadt durch den Fluß Jarft geschützt. Die Stadt selbst besteht ausschließlich aus Bauwerken in Ziegelbauweise und dicken Wänden und tiefen festen Kellern, die eine erhebliche Befestigung bilden.

Schon lange vor dem Anrücken unserer Truppen hatten die Deutschen mit der Vorbereitung der Stadt zur Verteidigung begonnen.

Vor der Stadt hatte man ein komplexes Grabensystem angelegt. Besondere Aufmerksamkeit hatte man der Vorbereitung der Kämpfe im Stadtinneren gewidmet. Alle Gebäude am Stadtrand, Plätze und Straßenkreuzungen wurden in Feuernester bzw. Kampfstände ausgebaut und in günstig gelegenen Fenstern Schießscharten angelegt. Die Keller waren sichere Unterstände (Bunker) im Falle von Artilleriebeschuss oder Bombardierung aus der Luft.

Die Verteidigung der Stadt, und besonders ihr südlicher Teil, war stark mit Feuerkraft versehen.

Im Angriffsstreifen der Division hatte der Gegner 20 leichte und 6 schwere Maschinengewehre, zwei 81,4 mm Granatwerferbatterien, zwei 3-läufige 75 mm Geschosswerferbatterien im direkten Richten, vier 88 mm und neun 20 mm Flakgeschütze zur Bekämpfung von Bodenzielen, drei 4-läufige105 mm Geschosswerferbatterien und einen 6-läufigen Geschosswerfer bereitgestellt. Außerdem führte der Gegner aus seiner tief gestaffelten Verteidigung das Feuer mit einer 15 cm – Batterie.

Der südliche Teil der Stadt wurde von Einheiten aus zusammengestellten Bataillonen verteidigt, die aus verschiedenen rückwärtigen Teilverbänden der 4. Armee gebildet wurden, und vom 431. und 432. Infanterieregiment der 131. Infanteriedivision stammten.

Im Verlaufe der Kämpfe wurden diese Einheiten regelmäßig in aller Eile aus Teilen von zerschlagenen Kompanien aufgefüllt, so daß die zahlenmäßige Stärke aktiver Soldaten vor der 62. Schützendivision, ungeachtet der hohen Verluste des Gegners, niemals weniger als 300 betragen hat.

Die 62. Schützendivision hat im Verlaufe von 57 Tagen, ständig im Angriffskampf stehend, in diesem Zeitraum während der Gefechtshandlungen ca. 300 Kilometer zurückgelegt, dabei 200 Ortschaften eingenommen, - war beteiligt an der Einnahme von Treuburg, Lötzen, Rastenburg, Rössel, Bischofstein, Heilsberg, Landsberg – und hat dabei dem Gegner schwere Verluste an Menschen und Material zugefügt, wobei sie aber auch selbst große Verluste erlitten hat.

Die im Verlaufe der Kampfhandlungen zugeführten Auffüllungen konnten diese Verluste nicht in vollem Umfang ersetzen.

Aus diesem Grunde, ungeachtet der mehrfach vorgenommenen Reduzierung des Personalbestandes der rückwärtigen Einheiten der Division und der Verbände, bestanden zum 20. März 1945 in der

Division insgesamt 12 Schützenkompanien mit in Mittel 15 aktiver Kämpfer je Kompanie.

In den Schützenbataillonen hatten wir 10 schwere und 3 leichte Maschinengewehre. Die Artillerie bestand aus 25 Geschützen Divisionsartillerie, 6 Geschützen Regimentsartillerie, 22 Bataillons- und 7 Regimentsgranatwerfer. Das der Division zugeordnete 926. leichte Pionierregiment hatte in der Ausrüstung insgesamt nur 5 Gefechtsfahrzeuge, wovon schon am ersten Tag der Kämpfe um die Stadt 2 vom Gegner vernichtet worden sind.

Aus diesem Grunde war das Kräfteverhältnis und die Geländeverhältnisse von Vorteil für den Gegner.

Die Angriffshandlungen wurden durch sehr schlechten Straßenzustand und die für jede Bewegung ungeeigneten Bodenverhältnisse außerhalb der Straßen erheblich erschwert. (Frühjahrsmatsch)

In der Nacht zum 20. März erhielten wir den Gefechtsbefehl vom Kommandeur des 44. Schützenkorps, in dem der Division die Aufgabe gestellt wurde, den südwestlichen Teil von Heiligenbeil zu besetzen.

Rechts der Straße Thomsdorf-Heiligenbeil griff die 220. Schützendivision, links die 5. Schützendivision an. Die 174. Schützendivision griff in der 2. Staffel des Korps im Abstand links hinter der 62. Schützendivision an. Den Divisionen wurde das 926. leichte Pionierregiment zugeteilt.

In Übereinstimmung mit diesem Befehl entschloß sich der Divisionskommandeur den Hauptstoß mit dem 123. Schützenregiment entlang der Straße Waltersdorf-Heiligenbeil zu führen.

Das Regiment erhielt zur Unterstützung das Artillerieregiment 3/89 und das leichte Pionierregiment 926. Das 306. Schützenregiment mit Artillerieregiment 2/89 sollte am rechten Flügel und das 104. Schützenregiment mit dem Artillerieregiment 1/89 am linken Flügel wirksam werden.

Bis zum Morgen war der Befehl jeder Einheit durchgegeben worden.



Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 03. Mai 2016 um 07:11 Uhr
 

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