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Am 20. 3. 1945, um 08.30 Uhr, erfolgte nach zwanzig minütiger Artillerievorbereitung der Angriff der Schützenregimenter auf den Gegner im Bereich Grünhöfchen und um 09.00 Uhr wurde die Siedlung (Ortschaft) eingenommen.

Den Erfolg fortsetzend, gingen die Einheiten beharrlich nach vorn, und vertrieben den Gegner auf dem Wege zur Stadt aus Einzelgehöften. Je näher wir der Stadt kamen, nahm der Widerstand, mit dem sich der Gegner verteidigte, immer mehr zu. Gegen Mittag gelangten die Einheiten bis zu den Gräben (Stellungen) des Gegners.

Nach einer 15-minütigen Artillerievorbereitung griffen sie an und besetzten die Gräben.

Einige Einheiten des 123. Schützenregimentes erreichten auf den Fersen des zurückweichenden Gegners den Stadtrand, gerieten aber von nordosten in einen Gegenangriff in Stärke von 100 Mann Infanterie und zogen sich in ihre Gräben zurück.

Nach Wiederherstellung der Gefechtsordnung wiederholten die Einheiten mit Artillerieunterstützung den Angriff, hatten aber keinen Erfolg und gingen auf Befehl des Divisions-kommandeur zeitweilig zur Verteidigung über.

Zum Tagesausgang (gegen Abend) griff der Gegner mit Artillerieunterstützung und 80 Mann Infanterie erneut die Einheiten des 123. Schützenregiments vom südlichen Rand des Planquadrats 33 (siehe Stadtrand) an, wurde aber abgeschlagen und erlitt erhebliche Verluste an Menschenmaterial.

Unsere Artillerie wurde während des Tages im wesentlichen aus getarnten Positionen (Stellungen) wirksam, weil der offene Charakter der Landschaft die Möglichkeit ausschloss, die Geschütze im Direktbeschuss auf den Gegner zu richten.

Um eine effektive Waffenführung im Direktbeschuss zu gewährleisten, wäre es notwendig gewesen, einige Gebäude einzunehmen, was aber am 20. März nicht zu erreichen war.

Es gelang der 62. Schützendivision aber am 20. März näher an die Stadt heranzukommen.

Die Verbände, die rechts und links operierten, befanden sich 2 – 3 Kilometer vor der Stadt. Nachts brachte man die Einheiten in Ordnung; durch Beobachtung und Aufklärungstrupps betrieb man Erkundungen mit dem Ziel, das Feuersystem des Gegners zu studieren.

Am 21. um 11.00 Uhr griffen die Schützeneinheiten nach Artillerievorbereitung den Gegner am südlichen Stadtrand an. Die Kämpfe nahmen einen sehr heftigen Charakter an.

Der Gegner verteidigte Heiligenbeil, das seinen letzten verbliebenen Zugang zum Meer, den Hafen Rosenberg, sicherte, mit ungewöhnlicher Beharrlichkeit (Hartnäckigkeit). Im Verlauf des Tages ging er zwei Mal zu Gegenangriffen mit 70 Mann Infanterie nach starker Artillerieunterstützung vor. Einige Gebäude im 33. Planquadrat gingen mehrfach von einer Hand in die andere, aber zum Tagesende gelang es dem Gegner die Lage zu stabilisieren.

In der Nacht zum 22. März wurde festgelegt, in kleinen Gruppen vorzugehen, die eng miteinander zusammenwirken sollten.

Die Regimenter begannen sofort Sturmgruppen zu bilden. Unter Berücksichtigung dessen, daß die Anzahl aktiver Kämpfer zu den Regimentern äußerst begrenzt war, bildete man Sturmgruppen mit 6-10 Soldaten. Einige Sturmgruppen ordnete man Pioniere zu.

Die Gruppen wurden mit Handgranaten, Brandflaschen (Molotow-Cocktails), Maschinenpistolen, Karabinern und leichten Maschinengewehren ausgerüstet. Jede Gruppe befehligte direkt ein Offizier.

Nachts, im Schutze der Dunkelheit, wurde die Artillerie abgezogen. Die Geschütze erhielten die konkrete Aufgabe zur Beseitigung von Feuernestern und der Feuerführung auf Fenster, Türen und andere Gebäudeöffnungen am Stadtrand.

Nach kurzem Artillerieeinsatz begannen die Sturmgruppen zu handeln und am Morgen des 22. März besetzten sie vier Gebäude. Sofort danach wurde die Artillerie (die Regiments- und ein Teil der Divisionsartillerie) dorthin gebracht und für einen Direktbeschuss eingerichtet. Am Morgen setzten die Sturmgruppen ihre aktiven Handlungen fort. Jede Gruppe stellte man die spezielle Aufgabe, ein bestimmtes Gebäude zu besetzen. Für größere Gebäude wurden 2 Gruppen angesetzt. Die Gruppen erhielten Unterstützung durch Artillerieeinsatz im Direktbeschuss oder durch Selbstfahrlafetten. Die schweren Maschinengewehre ordnete man den Sturmgruppen zu und unterstützte sie, indem das Feuer auf Fenster, Dächer, Maueröffnungen und auf die Infanterie des Gegners gerichtet wurde. Der Kampf nahm immer heftigeren Charakter an. Seitens des Gegners waren die Artillerie im Direktbeschuss und die Scharfschützen besonders aktiv.

Die Gefechte entbrannten nicht nur auf der Straße bei der Erstürmung der Gebäude, sondern auch in den Häusern selbst bei der Einnahme der Stockwerke, Treppenhäuser und Korridore.

Es gab Fälle, wo im Verlaufe einiger Stunden, in ein- und derselben Etage des Gebäudes sich Deutsche und Russen gleichzeitig befanden.

Im Gefechtsverlauf entstand ein enges Zusammenwirken zwischen den einzelnen Regimentern. Die Regimenter kämpften auf einem schmalen Frontabschnitt, unterstützt durch enge Tuchfühlung zueinander und zeitlicher Abstimmung ihrer Handlungen. Im Kampfverlauf gab es auch Fälle, wo Sturmgruppen benachbarter Regimenter bei der Besetzung eines Gebäudes gemeinsam handelten.

Am Abend war das Planquadrat 33 vollständig vom Gegner gesäubert und in der Nacht zum 23. März wurde die Stellung zwischen Planquadrat 33 und 32 eingenommen.

Am 22. 03. 1945, um 13.00 Uhr, starb der Kommandeur des 104 Schützenregiments, Neman Oberstleutnant Shupanow den Heldentod, der persönlich den Einsatz der Sturmgruppen geleitet hatte. Das Kommando über das Regiment übernahm sein Stellvertreter Oberstleutnant Ljapin.

Besonders heftige Kämpfe entbrannten am 23. März um das Planquadrat 32. Ungeachtet dessen, daß in diesem Planquadrat das Militärkrankenhaus lag, in dem sich viele Verwundete befanden, wollten die Deutschen das Gelände des Krankenhauses keinesfalls kampflos aufgeben und verteidigten es deshalb besonders hartnäckig. Das Dienstpersonal des Krankenhauses in Stärke von 50 Mann verließ die Verwundeten und griff selbst zu den Waffen.

Die Soldaten der Schützeneinheiten und die Geschützbedienungen im Direktbeschuss entwickelten hohe Tapferkeit.

Der Rotarmist von der 1/104. (1. Bataillon des 104 Schützenregiments) Brinsa arbeitete sich zu einem 3-stöckigen Haus vor, das von Deutschen besetzt war und warf in die Fenster und Türen dieses Hauses elf Handgranaten und 3 Brandflaschen, was seinen Kampfgenossen die Möglichkeit gab, in das Haus zu gelangen und vom Gegner zu säubern.

Die Bedienung des 122 mm-Geschützes von Obersergant Süsojew richtete das Rohr auf eine Garage, die vom Gegner besetzt war, und mit einigen erfolgreichen Schüssen vernichtete sie ca. 30 Soldaten und Offiziere darin.

Als der Bataillonskommandeur des 2/104. Schützenregiments Oberleutnant Dolischtschwili verwundet wurde, übernahm seinen Platz Leutnant Kagarlitzki. Kurz danach starb er den Heldentod bei der Erstürmung eines Gebäudes des Krankenhauses.

Darauf übernahm das Bataillonskommando Hauptmann Loboda. Unter seinem Kommando erstürmte das Bataillon erfolgreich einige Gebäude.

Am nächsten Tag (24. März) wurde Hauptmann Loboda verwundet, als er persönlich eine der Sturmgruppen anführte.

Im Verlaufe des Tages griff der Gegner 3 Mal unsere Einheiten mit ca. 80 Mann an, bei starker Artillerie- und Granatwerfer-Unterstützung.

Einige Gebäude des Krankenhauses und der in diesem Planquadrat befindlichen Garagen gingen einige Male von einer Hand in die andere. Trotz alledem war zum Tagesausgang (bis zum Abend) die Hälfte des Planquadrats 32 von unseren Einheiten eingenommen. Im Tagesverlauf der Kämpfe wurden 170 Soldaten und Offiziere des Gegners gefangen genommen.

In der Nacht zum 24. März brachten die Regimenter ihre Einheiten und Kampfmittel in Ordnung, und ergänzten die Munitionsbestände.



Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 03. Mai 2016 um 07:11 Uhr
 

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