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Heiligenbeiler Zeitung vom 12. März 1929

Bürgermeister a.D.  Schröder’s   letzte Fahrt

Abschrift von Dieter Mattern

Von allen öffentlichen Gebäuden und vielen privaten Häusern unserer Stadt wehen die Fahnen halbmast. Und Stunde um Stunde bringt regeres Leben in die Straßen. Uniformen der Feuerwehr und der Schützengilde tauchen in immer stärkerem Maße im Straßenbild auf. Gilt es doch unseren hochverehrten ehemaligen Bürgermeister, der ein Lebensalter hindurch die Geschicke Heiligenbeils geleitet hat, Herrn Louis Schröder die letzte Ehrungen zu erweisen. Um 2 Uhr wird die sterbliche Hülle von Kameraden der Feuerwehr und der Schützengilde von der Leichenhalle zur evangelischen Kirche überführt. Eine große Trauergemeinde füllt das Gotteshaus. Unter ihnen sieht man als Vertreter der Stadt Herrn Bürgermeister Fanelsa, als Vertreter des Kreises Herrn Landrat Dr. Gramsch, weiter die Stadtverordneten, Vertreter der Ostpr. Feuersozietät und des Provinzialschützenbundes, die Vorsitzenden und Mitglieder der verschiedenen Vereine und Organisationen, denen der Verblichene als Mitglied oder als Gründer angehört hatte, so der Männergesangverein, die Schützengilde, das Freikorps der Schützengilde, Sanitätskolonne, Freiwillige Feuerwehr, und noch viele andere. Aber vor dem Portal der Kirche staut sich die Menge, die wohl zum größten Teil aus denen besteht, die das gesegnete Wirken des Verstorbenen aus eigener Anschauung kannten und ihrem ehemaligen Stadtoberhaupt die noch immer währende Achtung, Ehrerbietung, Liebe und Treue bezeugen wollten. Vor dem Altar aber steht der Sarg, begraben in einer Flut von Blumen und Kränzen, die alle Abschiedsgrüße darstellen von Persönlichkeiten, von Behörden und Vereinen. Feuerwehr und Schützengilde hält die Totenwache. „Harre meine Seele, harre des Herrn.“ Schallt es durch die Kirche. Superintendent L e n z  hält die Trauerrede. Der 90. Psalm wird vom Geistlichen gebetet und die Worte der Heiligen Schrift Johannes 14, sind Trostworte, herrliche Trostworte!
„Euer Herz erschrecke nicht. Glaubet ihr an Gott, so glaubet ihr auch an mich. – Zu meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, so wollte ich zu euch sagen: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten, und ob ich hinginge euch die Stätte zu bereiten, will ich doch wiederkommen, und euch zu mir nehmen, auf daß ihr seid wo ich bin. --  und wo ich hingehe, das wisset ihr, und den Weg wisset ihr auch. – Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater denn durch mich.“
„Ein treuer Mann wird viel gesegnet“, heißt es in den Sprüchen Salomonis, und dieses Wort setzt der Geistliche über das Leben des Verstorbenen.  Passionszeit ist es jetzt, und wir sehen das Leiden unseres Heillandes vor uns. Vor uns aber breiten sich auch die Leiden und die Trübsal aus, durch die wir hindurch zum ewigen Leben müssen. Diese Trauerstunde ist für uns eine solche Stunde des Leidens und der Trübsal. Ein müder Wanderer ruht vor uns. Alle wurden wir tief erschüttert, als wir die Kunde seines Todes erfuhren. Er, der so lange Jahre die Geschicke unsrer Stadt geleitet hat, ist nicht mehr. Nicht nur für unsere Stadt ist dieser Verlust ein großer, sondern vielmehr noch für seine Angehörigen, die in ihm den Vater, den Großvater verlieren. Wir alle, die wir hier im Gotteshaus versammelt sind, sind vom tiefen Schmerz ergriffen. Liebe, Achtung hat er uns abgerungen und wohl verdient. So kommt auch die Trauer um ihn aus tiefen Herzen. Ein Wort hat über allen Taten und Handlungen des Verblichenen gestanden, das Wort:  TREUE !



 

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